Donnerstag, 8. Juni 2017

Urlaub auf Island | Der Norden Teil 2


Von Akureyri ging es weiter nach Húsavík. Dies war die mit Abstand kürzeste Strecke während unserer Tour und hatte nur einen wirklich guten Grund: Whale watching! Wir haben ja inzwischen bereits in Kanada zwei erfolgreiche Touren hinter uns gebracht, wobei die uns in Tadoussac am besten gefallen hat. So viele Wale hatten wir zvor noch nie gesehen! Aber bevor ich hier gedanklich in mein geliebtes Kanada abschweife komme ich doch wieder zurück zum Thema Whale watching. In Island ist bekanntlich ja der Walfang durchaus noch alltägliches Geschäft. So langsam stellt man jedoch auch hier fest: mit Walbeobachtungen lässt sich mittlerweile genau so gut (wenn nicht sogar mehr) Geld machen als mit Walfleisch. Ich hoffe, dass auch hier sich das Bewusstsein in Kürze wandelt und man diese wunderbaren Geschöpfe in Ruhe ihr Leben leben lässt. Das ist in den inzwischen doch sehr verdreckten Meeren schließlich schon schwer genug!

Bevor es aber für uns auf ins Europäische Nordmeer ging hieß es erstmal wieder: rein in die schicken Overalls. Húsavík ist sowas wie die Hauptstadt des Whale watching. In dieser Gegend tummeln sich zu Spitzenzeiten etwa 10 verschiedene Walarten rum. Die Chancen auf eine Walsichtung ist daher prinzipiell nicht schlecht und somit stachen wir bei strahlendem Sonnenschein in See um uns nur wenige Minuten später wieder in dem inzwischen bestens bekannten isländischen Nebel wiederzufinden. Die Sicht war trotzdem noch ganz akzepabel und so trafen wir dann kurze Zeit später auf einen alten Bekannten, der mir bereits in Kanada schon vor die Linse geschwommen ist: ein Minkwal.




Kurze Zeit später tauchte dann auch ein Buckelwal auf. Dieser döste anfangs eine ganze Weile an der Wasseroberfläche bis er dann doch schließlich ab- und wieder auftauchte. Buckelwalen wird ja nachgesagt besonders sprungfreudig zu sein und auf den Flyern der Whale watching-Veranstalter wird ja auch immer wieder gerne das Bild eines springenden Buckelwals gezeigt. "Unser" Wal hatte zum Springen keine Lust. Eines der insgesamt drei Boote rückte ihm für meinen Geschmack auch etwas zu sehr auf die Pelle, so dass er sich letzendlich auch aus dem Staub machte. Da muss ich schon sagen, dass die Kanadier bei ihren Touren doch mehr Abstand halten. Wenn die Tiere von alleine näher kommen, ist dies sicherlich nicht unerwünscht, aber ich hatte nie den Eindruck, dass die Tiere "bedrängt" werden. Das lief hier leider ein bißchen anders.




Nachdem sich der Buckelwal verzogen hatte, ging es dann auch wieder zurück aufs Festland. Und hier zeigte sich auch mal wieder wie wechselhaft das Wetter ist. Aus den Nebelbänken tauchte ganz plötzlich Húsavík vor uns auf und präsentierte sich im strahlensten Sonnenschein, als wäre nichts gewesen!




Das war dann auch unsere letzte Staion im Norden Islands. Am nächsten Tag ging es weiter in den Osten und soviel sei schon mal verraten: der Nebel hat sich offensichtlich in unserer Gegenwart so wohl gefühlt, dass er uns klammheimlich gefolgt ist. Eine ziemlich lästige Urlaubsbekanntschaft, wenn man mich fragt!

Mittwoch, 7. Juni 2017

Kurztrip | Cortes und Lissabon


Bevor es hier mit Island weitergeht folgt erstmal ein kruzer Abstecher an die Algarve sowie Lissabon. Die Familie unserer liebsten Freundin lebt hier und es war längst überfällig mit ihr zusammen hier mal für ein paar Tage vorbeizuschauen.

Eigentlich habe ich vor diesem Post doch ein wenig Bammel, denn schließlich liest meine Freundin hier mit. Und die Gefahr den Post zu versemmeln und Lissabon und der Algarve nicht gerecht zu werden, ist doch um einiges höher als bei unseren sonstigen Reisen. Aber da sich der Blog ja leider nicht von alleine mit Inhalt füllt, muss ich es wohl einfach wagen. No risk, no fun!

Ich starte daher gleich mit dem Dörfchen, das für die ersten Nächte unser zu Hause war. Der kleine Ort Cortes liegt abseits der übliche Touristenpfade und ist so winzig, dass Google Maps ihn so ohne weiteres nicht mal auf Anhieb findet. Da der Ort nur aus einer Straße besteht ist das auch nicht weiter verwunderlich. Aber gerade das macht ja auch den Reiz aus, denn man ist hier umgeben von Orangen-, Zitronen-, Avokaden- und Mandelbäumen sowie unglaublich angenehmer Ruhe. Und da unser Aufenthalt auch noch im Frühling stattfand war es überall sogar richtig knackig grün! Wir wurden sogar Zeugen eines seltenen Naturphänomens: Regen! Und ich rede hier nicht von so einem kleinen Schauer. Nein! Das war richtiger Bremer Regen! Da war die Freude groß. Zwar nicht unbedingt bei uns, aber die Landwirte waren in der Tat sehr glücklich. Zum Glück für uns, hielt dieses Wetter nur einen Tag an, und am nächsten Tag lachte die Sonne wieder vom Himmel. Und so ging es dann auf zur Erkundung der näheren Umgebung.



Wem die ländliche Ruhe auf Dauer zu viel ist, kann nach einer kurzen Autofahrt einen der bezaubernden Strände einen Besuch abstatten. Für den Sprung ins kühle Nass war es definitiv noch zu kalt, aber für einmal kurz die Füße in den Atlantik halten hat es dann doch gereicht. Baden ist hier übrigens nicht ganz ohne Risiko, denn die starke Strömung sollte auf keinen Fall unterschätzt werden. Einen kurzen Blick konnten wir auch auf eine der vielen Höhlen werfen, die hier direkt an der Küste zu finden sind. Die wohl bekannteste ist sicherlich die bei Benagil (zumindest ist mir diese bisher am häufigsten auf Bildern im Internet entgegen gesprungen), aber sie ist leider nur vom Wasser aus zu erreichen, was bei den kühlen Wassertemperaturen dann doch äußerst ungünstig ist. Aber auch ohne Strandhöhle war es doch mal wieder sehr schön dem Meeresrauschen ein wenig zu lauschen und salzige Seeluft zu schnuppern.



Neben idyllischem Land- und chilligem Strandleben kam aber auch die Kultur nicht zu kurz. In Silves haben wir die Burg besichtig und von den Zinnen aus die unzähligen Störche beobachtet, die hier ihre Nester wie in einer Neubausiedlung dicht an dicht gebaut haben. Trifft man im Blockland vereinzelt mal auf ein Storchenpaarmuss man in Silves sich nichtmal mehr bemühen Störch zu beobachten. In dieser Fülle hab ich sie noch niegendwo anders gesehen!





Nach zwei Tagen in Cortes ging es dann mit dem Bus nach Lissabon. Wir hatten zwar unsere persönliche Reiseleiterin dabei, aber es kann ja trotzdem nicht schaden sich von einem neutralen Dritten die Stadt zeigen zu lassen. Wir drei sind uns übrigens einig, dass die Free Tours von Sandemans absolut empfehlenswert sind. Die Touren sind kostenlos und am Ende kann jeder für sich selbst entscheiden, wie viel Geld man seinem Guide geben möchte. Wir waren mit Cuco unterwegs, der uns mit einer sehr charmanten Art seine Heimatstadt näher brachte. Ich werde an dieser Stelle jetzt nicht alles wiedergeben, was uns Cuco erzählt hat sondern lasse einfach mal ein paar Impressionen sprechen wie schön Lissabon ist:







Kulinarisch sind wir ebenfalls voll auf unsere Kosten gekommen. Man sollte sich dabei nicht von den äußerlich nach Süßspeise aussehenden Backwaren täuschen lassen. Der Portugiese mag es nämlich nicht nur süß, sondern auch deftig und so manche Teigtasche ist dementsprechend auch mit Fleisch oder Fisch gefüllt. Die Pastel de Bacalhau war richtig großartig und kann ich absolut empfehlen.



Ein weiterer lohnenswerter Besuch gilt definitiv dem Stadtteil Belém. Dieser wurde bei dem großen Erdbeben 1755 kaum in Mitleidenschaft gezogen, so dass sich hier auch noch sehr alte Bauwerke finden lassen. Das Kloster Mosteiro dos Jerónimus und der Torre de Belém gehören zum Beispiel dazu und sind auch Teil des Weltkulturerbes.

Aber auch der Gaumen kommt hier auf seine Kosten: die Pasteis de Belém sind in der Tat die besten Pasteis de Nata, die man hier bekommen kann. Ich halte solche Lobhuddeleien ja häufig für Touristennepp, aber hier haben wir tatsächlich im Vorfeld eine Pasteis de Nata in der Innenstadt zum Vergleich probiert, und die Pasteis de Belém war tatsächlich noch einen Tick leckerer. Und hier auch noch ein kleiner Tipp, den ich gerne weitergebe: nicht draußen in die (gefühlte) kilometerlange Schlange einreihen, sondern drinnen einen Tisch suchen und hier die Pasteis bestellen. Das geht wesentlich schneller!







An unserem letzten Abend sind wir mit der Straßenbahn zum Castello de São Jorge gefahren. Anstatt aber das Schloss selbst zu besichtigen sind wir ein wenig weiter zur Igreja e Convento da Graça gelaufen und haben vor der dortigen Terasse den Sonnenuntergang mit gleichzeitigem Blick auf Lissabon und das Schloss genossen! Einfach nur traumhaft, auch wenn es dann mit dem Verschwinden der Sonne doch empfindlich frisch wurde.

 




Dieser Kurztrip hat durchaus Lust auf mehr gemacht und wir waren mit Sicherheit nicht das letzte mal in dieser wunderbaren Stadt. Ich hab auch durchaus noch ein paar Orte auf meiner to-see-Liste in Lissabon, so dass ein weiterer Besuch definitiv eingeplant ist. Außerdem bin ich der Ansicht, dass man eine schöne Stadt eh häufiger besuchen sollte!

Mittwoch, 12. April 2017

Urlaub auf Island | Der Norden Teil I

Es lohnt sich immer wieder einen Abstecher von der Ringstraße zu wagen. Ich hatte eh die Absicht nach Siglufjörður zu fahren, und meine Reitbegleitung Andrea hat mich in diesem Vorhaben durchaus bestärkt. Auch soll ihrer Aussage nach die Aussicht entlang des Fjordes wunderschön sein. Diese konnten wir allerdings nur erahnen, denn kurz nachdem wir uns auf den Weg gemacht haben zogen sich die Wolken richtig zu und es hat immer wieder geregnet. Insgeheim hatte ich mich selbst schon verflucht, angesichts des doch offensichtlich nicht gerade tollen Wetters auf diese Strecke bestanden zu haben. Aber es kommt ja nun bekanntlich häufig anders als man denkt und so lichtete sich kurz vor unserem Ziel urplötzlich der Himmel und lies Siglufjörður direkt vor unseren Augen im Sonnenlicht erstrahlen, als ob die dicken Regenwolken vorher überhaupt nicht existiert hätten. Dies ist sicherlich auch ein Grund, warum ich mich auf der Stelle in dieses kleine Städtchen verliebt habe.




Das man Siglufjörður mittlerweile problemlos mit dem Auto erreichen kann ist der neuen Straße und einem fast nicht enden wollenden Tunnel zu verdanken. Bevor dieser fertig gestellt wurde, konnte der Ort im Winter nur mit dem Schiff  angefahren werden. Für den Tourismus ist der neue Landweg sicherlich eine gute Sache, denn die frühere Haupteinnahmequelle durch den Heringfang ist schon lange versiegt. Hier musste man in der Tat sehr schmerzlich feststellen was Überfischung anrichten kann, als von einem Tag auf den anderen die Heringe verschwunden waren. Es tummeln sich zwar immer noch einige kleine Fischerboote im Hafen, doch bei diesem Wetter war vor und in den Cafés rund um den Hafen wesentlich mehr los. Auch wir haben hier einen kleinen Stopp eingelegt und nach der grauen Nebelwand, die uns während der gesamten Fahrt hierher begleitet hat, die auch hier im hohen Norden wärmenden Sonnenstrahlen genossen.



Nach der kleinen Stärkung ging es dann auch wieder auf die Piste Richtung Akureyri. Auf dem Weg dorthin haben uns die Wolken auch schnell wieder eingeholt und so fuhren wir wieder durch die Wolkendecke bis wir in Akureyri, beziehungsweise Svalbarðsströnd ankamen. Hier hatten wir zwei Nächte gebucht, denn von hier aus ist man relativ fix beim See Mývatn und diesem, sowie der ganzen Umgebung, sollte man durchaus etwas mehr Zeit widmen.

Bevor man von Akureyri zum Mývatn gelangt fährt man direkt an dem (meiner Meinung nach) wirklich schönsten Wasserfall Islands vorbei. Und er heißt sogar noch wie er aussieht: Goðafoss (Götterwasserfall).



Leider machte auch der See Mývatn seinem Namen alle Ehre: nur Sekunden nachdem wir das Auto verlassen haben wurden wir von unzähligen Kriebelmücken umschwirrt, dass uns gar nichts anderes übrig blieb, als wieder zurück ins Auto zu flüchten. Aber selbst mit Mücken vor der Kamera lässt sich nicht leugnen, dass der See wirklich toll aussieht.


Als großer "Game of Thrones"-Fan gehört es natürlich zum Pflichtprogramm der Höhle Grjótagjá einen Besuch abzustatten. Unsere Gastmutter hat uns erzählt, dass sie selbst auch schon in der Grotte gebadet hat, aber durch das letzte "Gegrummel" der Erdspalten ist das Wasser zu warm/heiß geworden und seitdem ist das Baden in der Grotte strengstens verboten. Ich vermute aber auch ohne Anstieg der Wassertemperaturen würde man den Badewütigen hier ein Verbot erteilen, denn seit dem doch deutlichen Anstieg der Anzahl der Touristen würde diese Grotte doch eher einer Sardinenbüchse gleichen.


Wer sich an dem leicht schwefeligen Geruch der Grotte stört, sollte sich gut überlegen, ob er bei dem nahegelegenen nächsten Naturwunder aus dem Wagen steigen möchte. Das Geothermalfeld Hverir stellt alles in den Schatten, was ich bisher geruchsmäßig erlebt habe! Der beißende und stinkende Schwefelgeruch war in der Tat nur schwer zu ertagen und ich hatte durchaus mit ein wenig Übelkeit zu kämpfen. Aber ganz nach dem Motto "Nase zu und durch!" bin ich tapfer einmal den Weg über das Thermalfeld abgelaufen. Und auch wenn der Gestank unerträglich war, der Anblick war es definitiv wert. Das kräftige Orange von den Schwefelablagerungen, die vielen Grauschattierungen, der Dampf und die blubbernde Erde sind schon faszinierend und einzigartig. Ich entschuldige mich daher jetzt schon für die nachfolgende Bilderflut, aber ich konnte mich einfach nicht nur für zwei Fotos entscheiden!








Auch wenn ich mich von diesem Anblick nur schwer trennen konnte, meine Geruchsnerven waren sehr erleichtert, als wir wieder im Auto saßen um den letzten Punkt auf unserer to-see-Liste abzuarbeiten. Auf uns wartete noch der mächtige Dettifoss. Ich war zu Beginn meiner Reiseplanung gar nicht sicher, ob wir diesen überhaupt zu Gesicht bekommen können. Den älteren Forumeinträgen konnte ich entnehmen, dass zwar links und rechts von Flussufer Straßen entlang führen, diese aber entweder eine F-Straße oder eine für PKW's zwar zugelassene, aber in einem sehr schlechten Zustand unbefestigte Straße sein soll. Laut meinem Reiseführer bestand jedoch die Planung, die F-Straße zu asphaltieren und somit auch für normale Autos befahrbar zu machen. Glücklicherweise wurde dieses zum Zeitpunkt unserer Reise bereits in die Tat umgesetzt, so dass wir ohne Probleme den Wasserfall erreichen konnten. Vom Parkplatz aus ist es noch ein kleiner Fußmarsch, aber dann wird man mit diesem Anblick belohnt:



Der Dettifoss besitzt bei weitem nicht die Schönheit des Goðafoss, aber durch die herunterstürzenden Wassermassen (193m³ pro Sekunde) ist er zumindest der mächtigste Wasserfall in Europa. Deutlicher wird dies, wenn man im Vergleich die Leute auf der anderen Seite des Ufers in Relation stellt.


Irgendwie ist dieser Post mal wieder viel zu lang und zu ausschweifend geworden. Daher hab ich mich dazu entschlossen von unseren Abstecher nach Húsavík und unserer Whale watching Tour erst im nächsten Post ausreichend zu berichten. Und ich werde zusehen, dass ich diesen auch wieder schneller veröffentlichen werde. Versprochen!